BV ALGARVE

Nach dem Vordiplom hatte ich die Chance in Portugal ein Haus zu planen und bauen,  welches mit reinem Sumpfkalkmörtel gebaut wurde. Die Ausrichtung nach der Sonne und die Belüftungsmöglichkeiten wurde so optimiert, daß bei leichten Nachtfrösten im Winter ohne Beheizung ca. 17°C nicht unterschritten und im Sommer durch Ausnutzen der Nachtkälte auch bei großer Hitze kaum 28°C überschritten werden. Dies alles ohne jedes technische Hilfsmittel.

Im Winter wechseln sich kalte Nord-Ost Winde, die die Bausubstanz auskühlen, und naß-warme Süd-West Winde ab. Dadurch werden die üblichen Bauwerke stark durchfeuchtet und haben praktisch immer Schimmel im Innenraum. Kein Wunder, daß so viele Menschen dort mit Nebenhölen Problemen herumkämpfen und zu Ostern die Häuser geweißelt werden müssen. Wichtig sind daher doppelschalige Außenwände mit Hinterlüftung und die passiven Solargewinne, damit der Innenraum von sich aus temperiert ist und somit trocken bleibt.

 

 

 

Der Entwurf wurde von mir kurz nach dem Vordiplom gezeichnet. Ein portugiesischer Architekt hat ihn dann durch das Genehmigungsverfahren betreut.

 

Ausgeführt wurde er dann in wesentlichen von mir. Nicht nur die Planung, die Statik und die Bauleitung, sondern auch die Ausführung. Chico aus dem Nachbardorf übernahm unter meiner Anleitung die Maurerarbeiten, wobei ich diese durch eine klare Planung der Steinlagen vorbereitet hatte.

 

 

Die Zimmererarbeiten wurden vollständig von mir ausgeführt. Lediglich die Fenster ließen wir anfertigen. Für die Zimmererarbeiten stand ein Generator zur Verfügung. Ansonsten wurden alle Arbeiten ohne Strom ausgeführt.

 

Und hier noch eine Aufnahme aus der Bauzeit.

Im Vordergrund das Becken, in welchem die gebrannten Kalksteine gelöscht wurden.

 

Die gebrannten Steine wurden vom Kalkbrennofen in alten Öltonnen angeliefert. Oben waren sie mit einer dicken Plastikfolie geschlossen. Diese Steine legten wir in das Löschbecken und ließen dann langsam Wasser in das Becken ein. Dabei achteten wir darauf, dass wir kein Wasser auf die Steine spritzen. Eine Schutzbrille ist empfehlenswert. Das Kalkwasser ist ätzend und darf niemals in die Augen geraten.

 

Langsam fängt das Wasser an heiß zu werden. Es köchelt sogar. Die Steine fangen an wie Quark, der alt wird auszusehen und zerfallen langsam. Am Ende ergibt sich ein Brei, wie wir ihn auf dieser Aufnahme sehen. Mit Hilfe eines Rechens, der unten übrigens einen Stab aufweist, haben wir die Masser immer wieder gemischt.

 

Am nächsten Tag wurde ein Sieb (Körnung etwa wie Bienengewebe) auf das kleinere hintere Becken gelegt und die Masse dann durchgesiebt. Überschüssiges Wasser hat sich oben abgesetzt. Für das Mischen des Mörtels wurde ein Eimer des gelöschten Kalkes und drei Eimer scharfer Flusssand genommen. Übrigens hatten wir keinen Strom und die Betonmischmaschine wurde mit Petroleum betrieben. Wenn wir kleinere Mengen brauchen, waren wir viel schneller, wenn wir es per Hand mischten. Dazu hatten wir uns einen runden Platz mit Mörtel auf dem Boden, der wie eine große Schale war, gefertigt. Auf diesen Platz kippten wir die Eimer und haben dann mit zwei dieser Kalkrechen zu zweit im Winkel von 90 Grad, durch hin und her ziehen des Rechens gemischt.